Münchens Stadtjäger greifen dann ein, wenn es den Bewohnern der Landeshauptstadt zu „wild“ wird.

Die Zeitschrift PIRSCH, Ausgabe 4/2019 hat zwei Stadtjäger bei Ihren Einsätzen begleitet.

Ein Stadtjäger als Falkner auf der Jagd nach Möven bei einer Kläranlage
Ein Stadtjäger als Falkner auf der Jagd nach Möven bei einer Kläranlage

Rehe, Füchse, Gänse, Enten, Kaninchen, Tauben, … – die Liste der Wildarten, die in der bayerischen Landeshauptstadt vorkommen, ist lang, und so manche Niederwildjagd wäre froh über ähnlich gute Besätze. Doch worüber man sich auf dem Land freuen würde, führt in einer der größten und teuersten Städte Deutschlands spätestens dann zu Problemen, wenn Mensch und Tier aufeinandertreffen. Um diese Konfliktsituationen aus dem Weg zu räumen oder im besten Fall gar nicht erst entstehen zu lassen, hat die Stadt München mehrere Stadtjäger beauftragt. Ihre Aufgabe ist die Jagd im befriedeten Bezirk – egal ob mit der Waffe im Wohngebiet, dem Falken im Stadtpark oder der Falle im Kindergarten.

Dabei geht es aber nicht ausschließlich darum, die „Störenfriede“ zu „beseitigen“. Der Schutz der Wildtiere vor dem Menschen steht dabei mindestens genauso im Vordergrund. Wolfgang Schreyer und Uwe König sind zwei der Stadtjäger. Beide bestreiten mit dieser Aufgabe mittlerweile seit vielen Jahren einen Teil ihres Lebensunterhalts. Schreyer, der sich besonders auf die Beizjagd bzw. die Vergrämung mit dem Beizvogel spezialisiert hat, meint: „Vor 20 Jahren hätte ich nicht geglaubt, einmal von der Stadtjagd zu leben.“ Dies sagt er vor allem in Hinblick darauf, dass er sich zu Beginn nicht hatte vorstellen können, wie selbstverständlich die Leute bereit sind, für seine Dienstleistung als Jäger zu zahlen. Die eventuellen Vorbehalte gegen der Jagd schienen verflogen, sobald Fuchs, Kaninchen oder Taube auf dem eigenen Grundstück zu Schaden gingen oder diesem zu nahe kamen. Heute bedienen sowohl Schreyer als auch König einen großen Kundenstamm. Voraussetzung für die Jagd dort ist neben der Ausnahmegenehmigung durch die Untere Jagdbehörde stets die Bewilligung durch den Grundstückseigentümer. Das heißt im Zweifelsfall: Wenn der zum Problem gewordene Fuchs einen Garten weiter beim Nachbarn sitzt, der den Abschuss nicht genehmigt hat, ist Reineke im Glück. Ausnahme ist natürlich, wenn Gefahr im Verzug besteht.

Ein Stadtjäger mit seinem Weimeraner auf der Suche nach Mardern
Ein Stadtjäger mit seinem Weimeraner auf der Suche nach Mardern

Die Endlose Suche nach geeignetem Kugelfang Bevor die erfahrenen Stadtjäger allerdings zur Tat schreiten, gilt das Gleiche wie für den „normalen“ Jäger in seinem Revier – es wird ausgekundschaftet: Wo sind Einstände bzw. Baue, wo sind Nahrungsquellen, wo sind Wechsel und am allerwichtigsten – wo sind die notwendige Sicherheit und ist Kugelfang überall gegeben? Dass mit überall tatsächlich überall gemeint ist, wird vor allem deutlich, wenn man Uwe König begleitet, der sich neben der Fallenjagd auf die Jagd mit der Büchse in der Stadt spezialisiert hat. Auf einer der vielen von ihm betreuten Sportanlagen, wo besonders Fuchs und Kaninchen ihr Unwesen treiben, wird während einer morgendlichen Kontrollfahrt klar: Er kennt hier jeden Winkel. Dort ein stark frequentierter Fußweg hinter einer Hecke, da eine betonierte Bodenplatte und wieder woanders ein Zaun – alles kein geeigneter Kugelfang. Dass auf das umzäunte Sportgelände zusätzlich immer wieder Menschen kommen, die dort eigentlich nicht sein sollten, erschwert die Sache zusätzlich.

Ein zweites Paar Augen oder auch moderne Technik wie Wärmebildgeräte helfen da enorm. Doch noch viel wichtiger ist unendliche Geduld und absolute Selbstdisziplin. Denn nichts wäre fataler als ein unkontrolliert umherfliegendes Geschoss in so dicht besiedeltem Raum. Hier darf nichts schiefgehen oder dem Zufall überlassen werden. Im Schatten der Öffentlichkeit Dass Selbstdisziplin nicht nur für die Schussabgabe gilt, sondern auch im Zusammenhang mit Anfeindungen durch Tierschützer oder Jagdgegner, ist für die beiden selbstverständlich. Dabei ist es vor allem Schreyer, der den ständigen Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt ist, denn mit seinen Greifvögeln geht er weit weniger in der Masse unter. 80 % der Menschen, so schätzt er, seien ihm gegenüber positiv eingestellt, 10 % würden sich gar nicht für ihn interessieren, aber die verbleibenden 10 % stören sich an dem, was er tut. Angefangen von verachtenden Blicken bis hin zu Beleidigungen ist da alles dabei.