Der Fall Kendall Jones und die jagdfeindliche Gleichschaltung der Medienlandschaft

„Die wirre Welt von Kendall Jones“ [1]

[1] Schlagzeile in der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“

Gedanken von Dr. Carl-Christian Willinger

Dr. Carl Christian WillingerEs ist mehr als bedenklich, wie anlässlich der Berichterstattung um den Shitstorm gegen die amerikanische Jägerin Kendall Jones, Axelle Despiegelaere, Melissa Bachman oder in Deutschland der Fall Udo Wedekind in beinahe allen deutschsprachigen Medien dem Jagdtourismus mit Ablehnung begegnet wird, und zwar nicht in Unkenntnis der Argumente, sondern in offener, herabwürdigender Missbilligung dieser.

Die Weltsicht des Tierrechtsaktivismus hat mittlerweile eine so universelle Verbreitung erfahren, dass jede andere Sichtweise als absurd abgetan wird und man in höchster moralischer Entrüstung zur medialen Lynchjustiz schreitet. Da es inzwischen längst zahllose Lehrstühle für Tierrechtsphilosophie gibt, kann man sich auch sehr einfach einschlägiger akademischer Leitartikeln bedienen. Audiatur et altera pars, heißt es so schön. Nun, angehört wird die Gegenseite zwar noch, aber nur, um sie dann dem Erdboden gleich zu machen, indem man sie völlig diskreditiert.

Liest man aber dann erst die Postings, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Denkmuster der großen Mehrheit der Poster noch mehr gleichgeschaltet ist als jenes der Medien. Hier gibt es überhaupt fast nur noch ablehnende emotionale Statements wie „abscheulich, abstoßend, Göre, absurd, Prahlerei, gehört eingesperrt“, ja „getötet“.

Nun ist es mit Trophäenfotos so eine Sache. Sie sind für den Jäger Ausdruck von Freude und Stolz, dienen der Erinnerung, werden aber von Nichtjägern gerne als Prahlerei angesehen. Ob man damit wirklich an die breite Öffentlichkeit gehen muss, sei dahingestellt. Dies, so meine ich, kompromittiert in gewissem Sinne die Würde der erlegten Kreatur, und der von manchen gezogene Vergleich mit Porno-Fotos liegt nicht gänzlich daneben. Weiters hat Kendall Jones, wie auch an der Mähne ihres Löwen ersichtlich, einen südafrikanischen Gatterlöwen geschossen, wenngleich in einem Großgatter von 18.000 ha und unter fair-chase Bedingungen, wie sie schreibt. Dennoch handelt es sich um einen Zuchtlöwen. Weidgerechte Jäger lehnen canned hunting, put&take, Gummipirsch und einige andere südafrikanische Unsitten ab.

Doch um diese Dinge geht es hier gar nicht. Die Reaktion wäre dieselbe, egal, ob das Wild bloß exekutiert oder ehrlich bejagt wurde. Das Problem ist die uniforme, aggressive und völlig verständnislose Reaktion ALLER außerhalb des Kreises jener Menschen, die als Angehörige der „Jagdlobby“ diffamiert werden. Wir sind hier meilenweit entfernt von einer rationalen und ausgewogenen Sicht der Dinge.

In den Shitstorms offenbaren sich neben dem Gedankenmüll der Achtelgebildeten die Tyrannengelüste der Ohnmächtigen und die moralinsaure Empörung und Entrüstung der zeitgeistig Verblendeten. Ich halte mich nicht gerade für einen geistigen Riesen, aber was in so manchen Postings geboten wird, kann nur von intellektuellen Mikroben stammen. Es ist dies alles ein ziemlich trauriger Auswuchs der demokratischen Idee hin zur Ochlokratie. Und dass die Medien hier mitspielen und in die gleiche Kerbe schlagen, erweist sich als hemmungsloser und zu tiefst beunruhigender Missbrauch ihrer Macht.

Wenn also die Medien von der „wirren Welt der Kendall Jones“ schreiben, dann muß wohl die wirre Medienwelt gemeint sein, mit der Jones konfrontiert wird.

Das Positive an solchen Geschichten ist die Gelegenheit für die sogenannte „Jagdlobby“, ihre Argumente über die sozialen Medien breit in die Weltöffentlichkeit zu bringen. Und derartige Gelegenheiten sollten auch ganz vehement und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln genutzt werden.

P.S.: Was passiert, wenn man Leuten wie jenen Postern die Macht in die Hand gäbe, konnte man in Russland 1917-1920 sehen: millionenfacher Mord, Plünderung und Zerstörung aus reinem Hass. Man lese nur Douglas Smith, „Der letzte Tanz“. Oder „Verfluchte Tage“ von Iwan Bunin. Da kann man nur froh sein, dass es heute social media gibt, um sich abzureagieren.

On a lighter note: das köstlich-satirische Posting von Jay Branscomb zu diesem Thema:
Disgraceful Photo of recreational Hunter happily posing next to a Triceratops he just slaughtered.
Please share so the World can name and shame this despicable man.

Der Mann ist, wie man vielleicht erkennt, Steven Spielberg.

 

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